Socca Juniors gegen FC Unkraut

Autonomer Sportunterricht

Socca Juniors – FC Unkraut

[Wir bitten die Leser/-innen sich über die momentan laufenden Bildungsproteste ausführlich zu informieren, zum Beispiel über diese Seiten: www.unsereuni.at und www.unsereunis.de . – Mit diesem Artikel wollen wir den Aktivist/-Innen unsere Solidarität zum Ausdruck bringen. ]

Die Idee, über das Spiel in dieser ungewöhnlichen Form zu berichten, entstand zunächst aus der Feststellung, dass die Socca Juniors (Sport-)Lehrer im Kader haben und dem gegenüber der bunte Unkrauthaufen mit Studenten und Schülern gespickt ist. Ein weiterer Grund war die schlichte Tatsache, dass die erfahrenen Socca Juniors eine Lehrstunde darboten, die eines Meisters würdig ist.
Eigentlich schien es ein ganz normaler Spieltag für FCUK zu werden: das unorganisierte Gesindel trifft nach und nach ein, es wird schon mal das Bier gekostet, Musik läuft, an Warmmachen denkt niemand. Anstatt an so etwas wie eine Startaufstellung einen Gedanken zu verschwenden, wird für Biernachschub gesorgt. Also alles wie immer. Da ein Spieler wegen Verletzung nicht mitspielen kann, darf er Trainer spielen. Eine Startformation wird gefunden indem sich Freiwillige melden, die auf der Auswechselbank beginnen. Die Lehrstunde beginnt:

Lektion 1: Das Spiel fängt mit einer Hausaufgabenüberprüfung an. Es scheint, dass das FCUK- Kollektiv nicht nur die Hausaufgaben vergessen hat, sondern auch die Leistung komplett verweigert. 1:0 für Socca nach gefühlten fünf Sekunden.

Lektion 2: Erfahrung und ausgefeiltes Zusammenspiel übertrumpfen einen unorganisierten Haufen. Selbst nachdem das unkraut’sche Spiel ein wenig mehr Form annimmt und Druck nach vorne aufgebaut werden kann, ist die Lehrkraftmaschinerie nicht aufzuhalten. Alles nach der einstudierten Kombination aus Kurzpassspiel und Freilaufen verbunden mit Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. 5:0 zur Pause. Das war es wohl.

Doch es formiert sich Widerstand. Debatten und Ansprachen schöpfen neuen Mut und man will noch etwas erreichen.

Lektion 3: Wenn man sich einem starken System entgegenstellt, muss man auch schon mal eine blutige Nase einstecken. Nicht weiter schlimm, in diesem Fall keine Absicht.

Lektion 4: Auch wenn man meint den Gegner im Griff zu haben, sollte man sich vor Eigentoren hüten. Aber da sie in der Regel unbeabsichtigt passieren, wie hier, sollte man sich darauf konzentrieren daraus zu lernen.

Folgerichtig konnte Socca Juniors im Verlauf der zweiten Halbzeit noch ein Paar Treffer erzielen, aber auch sie mussten sich belehren lassen.

Lektion 1: Eine Gewaltaktion allein reicht nicht zur Überwindung der Struktur. Die Tat lässt nur das Gehäuse erzittern, während es die emotionale und lautstarke Stellungnahme zur Situation schafft, die Mitspieler zu motivieren.

Lektion 2: Ein genialer Moment kombiniert mit etwas Kreativität und auch ein kompaktes System kann ausgespielt werden. Ein kluges Zusammenspiel und eine elegante Performance im Abschluss hinterlassen staunende Gesichter beim Gegner.

Lektion 3: Einmal in die Defensive gedrängt, ist das System verwundbar. Unnachgiebiger Druck und man kann mit einem unerwarteten Angriff aus der zweiten Reihe verwerten.

Lektion 4: Aller Anfang ist schwer, aber hätten wir die Möglichkeit gehabt, das Spiel weiterzuführen, hätten uns unsere Motivation und unsere Lernbereitschaft zum Sieg verholfen. Hoffen wir zumindest :) .

Wollen wir doch mal mit einem analytischen Blick reflektieren, ob der autonome Sportunterricht irgendwelche Spuren im verkommenen Bewusstsein des Pöbels und des Gesocks hinterlassen hat. Dabei sind Kommentare zum Spiel eine zusätzliche Quelle unserer Ergebnisfindung.
Je nach Veranlagung und Lerninhalt kann so etwas natürlich auch eine Spur der Verwüstung hinterlassen, was auch eigentlich der momentane Zustand des Bildungssystems ist, aber der aufkeimende Wille frei zu lernen ebnet den Weg zur Verbesserung
(FCUK- Anhänger: „Ich komme erst wieder wenn ihr besser seid.“). Dieser Wille ist bei uns vorhanden, also stellen wir folgendes fest:
Auch eine unhierarchische Interessengemeinschaft gewinnt mit Organisationstalent und Solidarität an Stärke und wächst über sich hinaus. Dabei gilt es die Resignation
(David: „Verloren halt‚ ne.“) zu Überwinden und die Mitmenschen mitzureißen, die Tat zu ergreifen. Die Bereitschaft voneinander zu lernen, die Toleranz anderen gegenüber und das Bestreben, aus Fehlern zu lernen befähigt uns eine Bewegung zu kreieren, in der jede/-r mitwirken kann. Und auch wenn die Berichterstattung durch manipulierende Medien die Realität verfälscht (Gago: „pfffff…Was soll ich sagen…wenn ich jetzt ein Bier hätte, wär’s um einiges leichter. Meiner Meinung nach blablabla…keine gravierenden Fehler…blablabla…Hä? Was willst du überhaupt, wenn du mich nicht aussprechen lässt?! Hau ab! Du dreckiges Journalistenarschloch! Verpiss dich!“) und Meinungen zu Mutmaßungen schrumpfen und durch abhanden gekommene Positionierung glänzen (FCUK-Fan, beim Spiel abwesend: „Wir waren ziemlich schlecht, aber das lag wohl auch an Bob’s Abwesenheit, was aber nicht heißen soll, dass auch andere gut sind.“), besteht die Essenz der Mobilisierung der Mitmenschen in der Aktivierung des Wunsches zur Selbstbestimmung. Wenn auch der gemeine Bob dabei ist, wird es möglich sein, ein System umzuwälzen(FCUK –Anhängerin: „Ich komm erst wieder wenn Bob mitspielt.“). Dabei ist es auch Notwendig, das Vertrauen in etablierte Systeme in Frage zu stellen (Bob: „Wie soll ich wieder gesund werden bei solchen Nachrichten. :( “ – Anscheinend weckt das Gesundheitssystem keine großen Hoffnungen in ihm.). Letztendlich bleibt noch zu sagen, es reicht nicht aus etwas zu wollen, man muss auch mögen und genießen was man tut (Kash: „Ich mag Fußball.“).

Das mag zwar jetzt etwas abgehoben klingen, aber es demonstriert uns einen möglichen Ablauf eines freien Lernprozesses und hiermit beziehen wir Stellung zu den laufenden Bildungsprotesten in Österreich und zu den hoffentlich erfolgreichen aufkeimenden in Doofland und dem noch größeren Rest der Welt. Danke, dass ihr alle den Anfang gemacht habt. Nun gilt es die Flamme der Aufklärung weiter zu tragen. Eine freie Bildung ist die Grundlage für eine freie Gesellschaft. Diese Revolution des freien Geistes öffnet die Tür zur Innovation des Bewusstseins.
Wir bitten die Leser/-innen nochmals (!) sich über die momentan laufenden Proteste ausführlich zu informieren, zum Beispiel über diese Seiten: www.unsereuni.at und www.unsereunis.de .

P.S.: Das Spiel ging übrigens ungefähr 7:2 für die „Socca Juniors“ aus….

Freies Pressekollektiv „Geistesblitz“ des „Fussball Club UNKRAUT“


1 Antwort auf „Socca Juniors gegen FC Unkraut“


  1. 1 moritz mauris mauritz 06. November 2009 um 12:43 Uhr

    zum glück schreibt hier noch einer spielberichte! ohne berichte wäre die ligaseite echt öde.

    thanx!

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